Besondere Hilfen in Corona-Zeiten: Digitale Lernwerkstatt in Mutter-Kind-Klinik

Klinikleiterin Sabine Depew im Interview über den positiven Effekt des spendenfinanzierten Digital-Projekts in der Klinik Westfalenhaus.

Die Corona-Pandemie war in den letzten beiden Jahren für die ganze Familie eine schwere Last. Während Mütter und Väter täglich den Spagat zwischen Homeoffice, Homebetreuung und Homeschooling stemmten, litten Kinder ebenfalls. Der Ausfall von Kinderbetreuung und Schulunterricht hat Spuren hinterlassen und zwar in vielerlei Hinsicht.

Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen war das Müttergenesungswerk und die über 70 Kliniken im MGW-Verbund auf die Unterstützung engagierter Menschen in Form von Spenden angewiesen. Auf diese Weise konnte die Caritas Klinik Westfalenhaus für Vorsorge für Mutter und Kind am Timmendorfer Strand durch einen Nachlass, der zweckgewidmet in der Bildung von Kindern Verwendung finden sollte, ein ganz besonderes Angebot für Kinder realisieren. Wofür die Nachlassspende konkret eingesetzt wurde und welchen positiven Effekt dies für die Kinder und folglich auch für die Mütter in den Kuren hatte, lesen Sie im folgenden Interview mit Klinikleiterin Sabine Depew.

Beschreiben Sie uns kurz das Projekt, das Sie mit der Nachlassspende realisieren konnten.

Mit Hilfe der Nachlassspende konnten wir unser Projekt „Digitale Schule“ realisieren. Das Projekt gestaltet sich als eine offene Lernwerkstatt, die zusätzlich zum schulbegleitenden Unterricht während der Kurmaßnahme als Nachmittagsangebot für die Kinder besteht. Wir haben hierfür einen eigenen Raum eingerichtet und umgestaltet. Durch die Förderung konnten wir eine Mitarbeiterin einstellen, die sowohl über die pädagogischen als auch digitalen Qualifikationen verfügt, um ein Raum- und Lernkonzept für die Lernwerkstatt zu entwickeln und umzusetzen.

Was bieten Sie im Rahmen der offenen Lernwerkstatt konkret an?

Die offene Lernwerkstatt ist ein Ort, an dem Kinder ihre Kompetenzen intensiv stärken können und einen sicheren und kompetenten Umgang mit digitalen Medien erlernen. Es ist ein experimenteller Lernspielraum. Es gibt kindersichere IPads mit Apps, die Lernen zu einer aktiven und positiven Erfahrung machen. Unter Anwendung spezieller Methoden bieten wir Kindern in der Lernwerkstatt die Möglichkeit, die Welt ganz neu für sich zu entdecken. Viele Angebote finden in der Natur statt, z. B. in Form eines Geocachings, einer digitalen Schnitzeljagd, bei der die Kinder Rätsel lösen können und in Gruppen lernen, mit anderen zusammenzuarbeiten. Spielerisch verbindet sich dabei der sichere Umgang mit den neuen Technologien. Gleichzeitig achten wir darauf, dass jedes einzelne Kind in der Lernwerkstatt auch individuell unterstützt und betreut wird.

Wie viele Kinder nehmen an der offenen Lernwerkstatt teil?

In unserer Klinik sind im Durchschnitt 60 Kinder mit ihren Müttern. Unsere offene Lernwerkstatt ist ein freiwilliges Angebot, das nachmittags nach dem schulbegleitenden Unterricht zur Verfügung steht. Etwa 10 – 15 Kinder nehmen daran teil.

Was hat Sie dazu bewogen, genau dieses Projekt umzusetzen?

In Zeiten der Pandemie ist vieles auf der Strecke geblieben. Das bestätigen uns Studien und auch die Rückmeldungen unserer Patientinnen. Doch es sind nicht nur die Mütter und Väter, die stärker belastet in die Kur kommen. Auch Kinder haben stark in der Pandemie gelitten. Gerade in Zeiten der Pandemie war Lernen für viele Kinder mit ungeheurem Druck und Stress verbunden. Zumal Wissensvermittlung bzw. -transfer im Homeschooling mal eher schlecht als recht funktionierte. Vielmehr noch haben allerdings die Sozialkompetenzen der Kinder gelitten. Das bedeutet es treten weitaus häufiger Konflikte auf, manche Kinder zeigen aggressives Verhalten und sie haben verlernt, mit anderen zusammenzuarbeiten, zusammenzuwirken. Unser Projekt setzt also an einer Stelle an, wo im Moment ein unglaublicher Nachholbedarf besteht. 

Wovon profitieren die Kinder am meisten?

Es geht nicht darum, Kinder mit Wissen vollzustopfen – obwohl wir in der offenen Lernwerkstatt auch bei den Hausaufgaben unterstützen. Kinder sollen Fähigkeiten erwerben, die sie dabei unterstützen, eigenständig, überlegt und kompetent Entscheidungen zu treffen. Dazu gehört, zu wissen, wie man sich Informationen beschafft und wie man diese verarbeitet und auswertet. Gerade im Umgang mit Handy, Tablet und Apps ist dies wichtig. Den Erwerb der Kompetenzen gestalten wir auf eine Weise, die Kindern wieder Lust am Lernen und Entdecken macht. Diese Hürden bauen wir ab und geben Freiräume, in denen Kinder positive Erfahrungen sammeln und ihre eigenen Talente und Fähigkeiten entdecken können.

Wie passen Bildungsinhalte für Kinder zur Kurmaßnahme für Mütter?

Nun, der schulbegleitende Unterricht während der dreiwöchigen Kurmaßnahme gehört zu unserem regulären Angebot in der Klinik. Es ist eine Selbstverständlichkeit, auch weil viele der Mütter andernfalls die Möglichkeit eines Kuraufenthalts erst gar nicht in Betracht ziehen würden. Zum anderen geht es in der Mutter-Kind-Kur auch um die Beziehung zwischen Mutter und Kind. Belastungen des Kindes belasten ganz klar auch die Mutter. Indem wir in unserer Lernwerkstatt Kinder direkt unterstützen, unterstützen und entlasten wir so auch die Mütter.

Wie ist bisher das Feedback auf die Lernwerkstatt?

Der Bedarf für solche Angebote ist da. Das zeigt das Feedback der Patientinnen. Durch das zusätzliche Angebote haben wir auch für Mütter neue Freiräume schaffen können, während ihre Kinder gut betreut werden und in ihren Fähigkeiten bestärkt und gefördert werden.

Was nehmen Sie als Klinikteam aus der Durchführung des Projekts mit?

Die offene Lernwerkstatt strahlt auf die ganze Klinik aus. Mit dem Projekt haben wir als Klinik einen regelrechten innovativen Schub bekommen. Wir sind motiviert. Unser Team bringt eigene Ideen ein und auch die nächsten zwei Workshops stehen schon fest, um neue Konzepte zu entwickeln. Die Lernwerkstatt möchten wir natürlich gerne in Zukunft weiterführen.

 

Zur Person
Sabine Depew ist Klinikleiterin des Caritas Westfalenhaus - Vorsorge für Mutter und Kind am Timmendorfer Strand. Die Klinik bietet Müttern ein gendersensibles und ganzheitliches Therapieangebot, das v. a. auf psychosomatische und psychovegetative Erkrankungen sowie Krankheiten der Atmungsorgane oder orthopädische Erkrankungen ausgerichtet ist.

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