Ich bin ein Dad, hol mich hier raus – Tipps zur Entspannung von Vätern

Wie findet Papa im Wechselbad der Gefühle und als Flipperkugel zwischen Job und Vaterrolle ein wenig Entspannung?

© Raimar von Wienskowski

Wir setzen einfach mal voraus, dass sich die meisten Väter ganz bewusst und im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte für den Nachwuchs entschieden haben. Selbst schuld sozusagen. Doch sie haben, insbesondere beim ersten Kind, überhaupt keine Vorstellung davon, was ab dem Tag der Geburt auf sie zukommt. Alle Väter wissen genau, wovon ich rede.

Das selbstbestimmte Leben ist ab diesem Tag weitestgehend vorbei. Gefühle entstehen, von denen man nicht dachte, dass es sie gibt. Die Nächte sind kurz, der Tag durch die Bedürfnisse des kleinen Wurms getaktet. Essen,  Windel vollmachen und schlafen in endloser Abfolge. Und mit Papa Kicken gehen tut noch ganz lange keiner.

Frage des Beitrages ist nun, wie Papa im Wechselbad der Gefühle und als Flipperkugel zwischen Job und der zu findenden Vaterrolle ein wenig entspannen kann. Und da ich seit über sechs Jahren das Väter-Magazin Daddylicious betreibe, habe ich recht viele Väter zu diesem Thema gesprochen. Es gibt nicht das eine Erfolgsrezept, daher arbeiten wir uns erstmal ran. Zuerst einmal gibt es zwei große Gruppen an Vätern in Sachen „Relaxing“:

MIT…

Auf der einen Seite gibt es die, die am besten MIT ihren Kindern oder der ganzen Familie entspannen können. Die den gemeinsamen Urlaub genießen oder auch intensive Zeit nur mit ihrem Kind verbringen und daraus Kraft schöpfen. Zu dieser Gruppe gehöre ich auch. Ich habe viele Touren mit meiner Tochter im Kinderwagen durch Hamburg unternommen, gehe mit ihr ins Schwimmbad oder den Trampolinpark. Für mich gibt es nichts Schöneres als Papa-Zeit. Klar, für diese Gruppe der Papas braucht es keine Tipps zur Entspannung. Aber so ein Bedürfnis lässt sich niemandem eintrichtern.

…oder OHNE

Denn auf der anderen Seite gibt es auch die Väter, die besser OHNE Partner(in) und Kinder entspannen können/wollen. Schwierig wird es, wenn Papa jede Woche 50 Stunden arbeitet und dann am Wochenende „me time“ für sich beansprucht. Denn dann bleibt kaum noch Zeit für gemeinsame Erlebnisse.

Hier nun meine Tipps zum Abschalten:

Sport treiben

Zuerst einmal der positive Nebeneffekt: ihr fühlt euch besser und werdet gleich noch den Babybauch los, den erstaunlicherweise auch Väter bekommen. Wenn ihr euch dann gute Musik oder einen Podcast aufs Ohr legt und im Fitness-Studio Gewichte stemmt oder durch den Park joggt, dann wird sicherlich nicht erwartet, dass ihr in dieser anstrengenden Stunde Verantwortung für Kinder übernehmt. Wer also oft den Hintern hochbekommt, gewinnt dadurch etwas Zeit für sich. Sechs Stunden auf dem Fußballplatz sollten es aber vielleicht nicht zu oft sein.

Kurztrip mit den Jungs

Wenn ihr eine Clique habt, wird die Häufigkeit der gemeinsamen Abende sicherlich runtergehen. Denn jeden Sonntag nach der Kneipentour verkatert sein ist ebenso wenig familienfreundlich wie die Dauerkarte für den Fußball-Club eures Herzens. Auf der anderen Seite müssen Freundschaften gepflegt werden. Nicht immer nur als Familienausflug in den Zoo oder den Stadtpark. Da wäre es ein Ansatz, mit den Kumpels monatlich Geld zu sparen und dann einmal im Jahr ein langes Wochenende zu verreisen. Natürlich nur für gute Gespräche.

Länger aufbleiben

Der wahrscheinlich am einfachsten umzusetzende Tipp: geht einfach später schlafen als der Rest. Solange die Mama auch "Milchbar" ist und daher auch nachts wenig Schlaf bekommt, wird auch sie öfter zeitig schlafen gehen. Da kommt die „quality time“ quasi zu euch. Diese Zeit könnt ihr nutzen, um ein gutes Buch zu lesen, im Netz zu surfen oder mal wieder die Spielkonsole anzuschmeißen. Da wird auch keiner was dagegen haben. Falls ihr dadurch nicht morgens zum Problem werdet, weil ihr nicht aus dem Bett hochkommt. Ein paar Superpapa-Punkte könnt ihr außerdem sammeln, wenn ihr abends noch schnell Wäsche zusammenlegt, die Spülmaschine ausräumt oder das Babyfläschchen für die Nacht vorbereitet.

Handwerk & Gartenarbeit

Wenn ihr dachtet, dass ich euch verraten kann, wie ihr mal wieder einen ganzen Sonntag auf dem Sofa faulenzen könnt, dann muss ich euch enttäuschen. Denn das ist mit kleinem Kind bis auf Weiteres keine Option mehr. Am einfachsten lässt sich Zeit für euch freischaufeln, wenn ihr dabei nützliche Dinge erledigt. Also sucht euch am besten kleine Aufgaben im Haushalt oder Garten und chillaxt ein wenig beim Rasen mähen, Zimmer streichen oder Möbel zusammenbauen. Ach, und wenn ihr ab sofort den Wochenend-Einkauf für die Familie allein durchzieht, hat wahrscheinlich auch niemand etwas dagegen.

Vater-Kind-Kur

Zum Abschluss schlagen wir einmal die Brücke zum Müttergenesungswerk, für das ich diesen Gastbeitrag verfasse. Denn auch wenn wir Väter in deren Titel nicht vorkommen, halten die Kollegen auch Angebote für euch Väter bereit. Angenommen, ihr habt eine Erkrankung und bekommt vom Arzt eine Kur verschrieben. Dann könnt ihr eine dreiwöchige Vater-Kind-Kur in einer der 20 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken durchziehen. Alle diese Kliniken sind auch auf Väter spezialisiert und bieten väterspezifische Konzepte an. So findet Ihr nicht nur ausreichend Zeit für die eigene Genesung, sondern könnt auch noch viel wertvolle Zeit mit Euren Kindern verbringen. Diese „quality time“ ist somit Teil der Therapie.

Also, entspannt euch, Männer!


Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Daddylicious entstanden und ist gefördert vom  BMFSFJ.

Über den Autor Kai Bösel
Der 48-jährige Hamburger ist Patchwork-Papa von 3 Kindern: 23, 22 und 7 Jahre. Ausgelöst durch die Geburt seiner eigenen Tochter vor 7 Jahren hat er mit seinem Kumpel Mark das Väter-Magazin Daddylicious gestartet.

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