4 Fakten für den Mann in der Pflege

Dirk Strecker von Pflegezirkus: "Ja, die tägliche Pflegearbeit seit 15 Jahren drückte mich an meine Grenzen, verwirrte mich in meiner Rolle als Mann."

„Bereust Du es, deine schwer erkrankte Tochter zu pflegen?“, wurde ich letztens gefragt. Ich war sprachlos und ließ einen jungen Vater ohne Antwort. Später schrieb ich ihm: „Nein, ich bereue nichts.“ Und verschwieg das „Aber“. Ich wollte darüber nicht sprechen. Die intensive Pflege meiner Tochter war bis heute eine Zeit, an der ich das Scheitern lernte und woran ich wuchs. 

Ja, die tägliche Pflegearbeit seit 15 Jahren drückte mich an meine Grenzen, verwirrte mich in meiner Rolle als Mann. Sie verhüllte mich mit einer Depression. Diese lehnte ich zuerst ab, doch sie half mir, ein paar Dinge zu verstehen, um in der Pflegearbeit als Vater fit zu bleiben. Daher leite ich 4 Fakten ab, die für mich bedeutsam sind:

1. Die Pflege braucht ihren Mann

Auch wenn es nicht gelebt wird: wir Männer sind genauso gut in der Krankenpflege „aufgehoben“ wie die Frauen, ohne eine „besondere“ Rolle einnehmen oder zeigen zu müssen. Die Krankenpflege ist komplex. Wir müssen dort beobachten, analysieren, Entscheidungen treffen und Beziehungen gestalten. Das können wir Männer, wir leisten dies in anderen Jobs und unsere „Art“ kann die Pflege bereichern.
Aber es gilt, in diesem Job arbeiten primär Frauen. Damit gilt für mich als Mann: Ich bin ohne Vorbild. Es gibt keine traditionelle Rolle in der Pflege für mich. Für mich dominiert eher das Gefühl: Die Pflegearbeit wertet mich als Mann ab. Lasse ich dies zu oder bin ich ein Pionier als Vater, der seine erkrankte Tochter pflegt?

2. Pflege eines Angehörigen ist Arbeit

Die Pflege des erkrankten Kindes ist Arbeit. An manchen Tagen ist sie anstrengend oder mit Monotonie verbunden. An anderen Tagen ist sie unterlegt mit Tagträumen, weil wir unser Leben anders geplant haben. Pflege ist Arbeit, auch wenn wir kein „gutes Geld“ damit verdienen. Denn Arbeit ist es auch, wenn wir unser Auto putzen. Sprechen Sie aus: Pflege ist Arbeit.

3. Sie wissen nie, wie lange die Pflegearbeit geht

Als ich begann meine Tochter zu pflegen, wusste ich nicht, wie viele Jahre Pflege es werden würden. Wir bekamen damals gesagt, sie wird nicht alt werden. Diese Kinder würden nur vier Jahre alt werden. Sie ist 15 Jahre alt. Werden Sie sich bewusst: Die Pflegezeit kann lang werden.

4. Auszeit von der Pflege

Wenn Sie in der Pflege durchstarten, ist es wichtig, Auszeiten für sich selbst einzuplanen: Ich brauche jeden Tag mindestens zwei Stunden für mich und ein Wochenende im Monat, an dem ich in den Wald fahre sowie jedes Jahr einen Urlaub. In der Regel ist meine Auszeit durch die tägliche Pflegeunterstützung unseres Pflegeteams gesichert. Selbst ein Urlaub wurde für mich oder meine Familie in den letzten Jahren möglich – dies auch durch die Kinderhospize.

Diese nötigen Entlastungspausen habe ich selbst nicht ausreichend beachtet – ich „verbrannte“ mich in der Pflegearbeit. Noch immer ist es nicht ganz leicht, die Auszeiten wahrzunehmen. Es ist schwierig, weil die Belastung der Pflege für mich nicht immer spürbar war und ist. Es ist fatal, weil meine Überlastung mir erst bewusst wurde, als ich „ausbrannte“.

Wünschen würde ich mir eine Kur, um neue "Tools" zu erlernen, um Wege zu finden für die Lebenssituation mit der Pflegearbeit. Doch erlebe ich wieder und wieder Bedenken, eine Kur abbrechen zu müssen, wenn die Pflege meiner Tochter nicht mehr gesichert sei. Ist es wirklich ein Grund, keine Kur zu beantragen? Ich hoffe, dass für dieses Thema "Eine Kur für pflegende Angehörige" weitere Lösungen entwickelt werden. Lösungen, die die Möglichkeiten aufzeigen, trotz des Pflegenotstandes eine Kur zu ermöglichen.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit Pflegezirkus entstanden und ist gefördert vom BMFSFJ.

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