Zur Corona-Zeit im Homeoffice: MGW-Mütter erzählen

Zwischen Mutterherz und Verantwortung gegenüber dem eigenen Arbeitgeber. Eine anstrengende Zeit für viele Mütter.

Für uns alle ist die Corona-Krise eine besondere und meist schwierige Zeit. Zwischen Mutterherz und Verantwortung gegenüber dem eigenen Arbeitgeber – dem Müttergenesungswerk – erleben wir seit ein paar Wochen einen neuen Alltag. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen und wir gelangen oft an unsere Grenzen.

Lisa kann Langeweile zu Corona-Zeiten nicht nachvollziehen

Lisa zählt zu den Müttern im MGW, die besonders früh in den Tag starten und mit der Arbeit beginnen. Normalerweise hat sie mit 1,5 Stunden Fahrzeit auch den weitesten Arbeitsweg von uns allen. Da dieser jetzt wegfällt könnte sie eigentlich länger schlafen. Doch so funktioniert das in Corona-Zeiten mit Kindern aber leider nicht.

Lisa arbeitet nun täglich im Homeoffice. Sie steht noch früher auf und geht noch später ins Bett, um so viel Zeit wie möglich mit ihrer vierjährigen Tochter zu verbringen. Ihr Mann hat momentan häufig Nachtschichten und so liegt die Kinderbetreuung tagsüber ganz allein bei ihr.

"Es ist nicht einfach, ein Kind ruhig zu beschäftigen und gleichzeitig zu arbeiten. Solche Situationen gibt es sonst nur am Wochenende, und da muss ich i.d.R. nicht arbeiten", erzählt sie.

"Bei Telefonaten habe ich ständig im Hinterkopf, ob mein Trotzphasenkind gleich mal wieder sauer wird, weil Mama nicht sofort hört. Letzte Woche war ich schon fast beim Auflegen als sich meine Tochter neben mich setzt und ruft: „Ääääähhhh, wie spricht deeeer denn?“ Oh nein – eine neue Beschäftigung für mein Kind muss her!

An einem Tag haben einfache Toilettenpapierrollen gereicht: Diese wurden stundenlang penibel klein geschnitten. Ihre Hörspiele kann ich mittlerweile auswendig.  Und wenn die Arbeitszeit rum ist und die „Tochter-Bespaßungs-Zeit“ beginnt, freut sie sich, dass wir endlich wieder backen oder Fensterbilder basteln. Zeit für mich ist dann aber auch nicht möglich.

Oft habe ich Sorge, ob gesehen wird, was ich leiste. Denn ich arbeite gefühlt noch mehr als sonst. Hinzu kommen ständig die Gedanken: Hatte ich heute eigentlich genug Zeit für meine Tochter? Oder hat sie mich wieder nur am Computer hängen sehen?

Wenn ich höre, dass manche Leute jetzt mehr Zeit als vorher haben und sich langweilen, kann ich das schwer nachvollziehen. Im Familienleben fühlt sich das für mich nicht so an."

Annett: 1 Tag, 2 Rechner, 3 Zimmer, 4 Personen

Annett ist grundsätzlich gern früh dran, aber trotz zeitigem Aufstehen startet jeder Tag ein bisschen anders. Im Homeoffice in drei Zimmern mit Papa (auch im Homeoffice) und zwei Kindern (zwei und fünf Jahre alt) muss sich die Familie immer wieder neu organisieren.

"Ich bin eigentlich ein „Planungs-Typ“, aber das gelingt mit Kindern sowieso nicht immer. In der aktuellen Situation arbeiten wir zu Hause mit zwei Kindern gerade so, wie wir es einrichten können. Mal arbeitet Mama am Vormittag und Papa kümmert sich um die Kinder.

Und am Nachmittag dann umgekehrt. Je nachdem, wer von uns beiden eine Telefonkonferenz hat oder welcher Bericht demnächst online gehen soll. So sind wir mit dem Kopf schon bei der Arbeit und manchmal gerade im Gedankenfluss, wenn der Wechsel zum „Kinderdienst“ ansteht.

Mittagspause? Na klar – auf jeden Fall zu viert, aber danach schnell wieder an den Arbeits-Rechner, wenn die Kinder Mittagsschlaf machen. Abwasch, Wäsche und Spielzeug bleiben da natürlich erstmal liegen, weil wir die Ruhe jetzt zum konzentrierten Arbeiten nutzen. Aber ja, auch das stresst mich innerlich, weil ich weiß, dass es noch erledigt werden muss.

Aufgeräumt wird also später wieder nebenbei, wenn die Kinder ein paar Minuten zu zweit spielen – so lange bis sie sich streiten oder etwas Unvorhergesehenes passiert. Dann ist auch schon wieder Vesper-Zeit – dabei habe ich doch den Tisch gerade erst abgeräumt.

Ich habe das Gefühl, der Tag steht im ständigen Wechsel und man kann die Gedanken oder Tätigkeiten oft nicht zu Ende bringen. Mein Kopf ist in diesen Tagen besonders voll und ich überlege ständig, was ich eigentlich gerade als Letztes getan habe.

Am Nachmittag geht’s mit den Kindern nochmal raus, denn sie brauchen frische Luft. Entspannung? Nicht wirklich. Der kleine Racker läuft in die eine Richtung und die Große fährt in die andere Richtung. Auf den Straßenverkehr müssen wir ohnehin achten und vor allem auf den Abstand zu anderen Leuten. Auch das ist anstrengend, da man nicht nur auf sich selbst schauen muss.

Wenn ich gerade arbeiten muss und mein Sohn einen Tobsuchtsanfall hat oder mir die Ohren qualmen, weil meine Tochter ihrem Mitteilungsbedürfnis nachkommen muss, könnte ich manchmal platzen. Aber dann denke ich auch an die beiden.

Auch sie sind rausgerissen aus ihrem Kita-Alltag, weg von ihren Freunden und müssen dann auch noch oft auf ihre Eltern verzichten, weil beide abwechselnd am Rechner sitzen, um ihrer beruflichen Tätigkeit nachzukommen. Dabei fällt mir wieder auf, dass ich mir um mich selbst kaum Gedanken mache, sondern wie so oft um die anderen.

Diese Krise berührt uns alle und sie schenkt uns gleichzeitig Zeit mit unseren Kindern, die wir nutzen sollten. Es ist toll, ihre Entwicklung zu beobachten und zu sehen, wie sie als Geschwister zusammenwachsen, auch wenn es für uns alle eine große Herausforderung ist. Die Zeit für mich selbst als Mama hat sich weiter reduziert, dabei ist sie eigentlich so wichtig.

Es ist schon fast 23 Uhr und dieser Beitrag ist erstmal geschafft. Ein bisschen Zeit zum Füße hochlegen bleibt noch, bevor sich der Kleine in der Nacht wieder meldet. Durchschlafen? Fehlanzeige!"

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