„Mental Load“ – Als Papa ausgeglichen und gesund bleiben

Viele Väter nehmen ihre Rolle in der Familie ernst und kämpfen mit wachsenden Aufgaben im Alltag. Mario Förster hat Tipps, um dem gerecht zu werden.

© Paul Glaser

Keine Frage, die Geburt unserer Söhne war für meine Frau und mich ein Einschnitt in unser Leben. Mit der Geburt und der Verantwortung gehen auch Sorgen und Ängste einher, die wir Eltern ganz allein verarbeiten müssen. Im Gegensatz zu den Mamas empfinden wir Papas keine körperlichen Veränderungen durch die Geburt, sodass uns die Elternschaft meist kalt erwischt.

Mit der neuen Vaterrolle verändert sich die Beziehung zur Partnerin und zu den anderen Familienmitgliedern. Die Geburt unseres ersten Sohnes hat unsere Beziehung auf ein anderes Level gehoben, das auch nicht frei von Stress und Problemen war.

Vorher hatten wir in etwa eine Vorstellung von der Elternschaft und einem gemeinsamen Leben. Was dann eintritt, entspricht aber sicher nicht diesen Vorstellungen. Zur Belastung wird das Ganze, wenn die Unterstützung durch die Familie und den Freundeskreis fehlt. So manches Mal habe ich mich gefragt, ob die Ängste und Bedenken als Vater wirklich „normal“ sind.

Wenn aus Sorgen Depressionen werden

Nicht selten leiden Mütter nach der Geburt unter psychischen Symptomen, wie Angststörungen und Depressionen. Es ist wichtig zu erkennen, wann man mit dem Alltag und den Aufgaben nicht mehr allein zurechtkommt. Fühlt ihr euch über längere Zeit niedergeschlagen, ängstlich, traurig und besorgt? Beeinträchtigen eure Gefühle den Alltag? Dann solltet ihr euch Hilfe suchen.

Besonders schwierig an einer psychischen Erkrankung ist: Wir können sie auf den ersten Blick nicht erkennen. Ein gebrochenes Bein oder eine Erkältung lässt sich viel einfacher diagnostizieren. Eine Diagnose ist wichtig für die Betroffenen, um sich behandeln zu lassen.

Zunächst einmal solltet ihr die eigene Schuld von den psychischen Problemen lösen. Es ist egal, ob ein Elternteil oder ein Kind erkrankt, die ganze Familie ist unmittelbar davon betroffen. In vielen Fällen führt die psychische Erkrankung zur Überforderung der ganzen Familie. Es geht also darum, die Gesamtsituation in der Familie zu berücksichtigen und nach Unterstützung zu suchen.

Wege aus der emotionalen Einsamkeit

Die Stabilisierung der innerfamiliären und außerfamiliären Beziehungen steht an erster Stelle. So sollte die Familie auch das Schutzschild sein, betroffenen Personen den Mut zu vertrauensvollen Beziehungen außerhalb der Familie zu geben. Oftmals kann es helfen, sich einem Dritten anzuvertrauen und im sozialen Umfeld des Freundeskreises aufgefangen zu werden. Das Gespräch ist oft der erste wichtige Schritt, die Unsicherheiten und Ängste zuzugeben.

In vielen Fällen nimmt die Belastung erst einmal ab, sobald du dein Problem beim Namen nennst und dir einen Teil der Angst von der Seele redest. Doch selten gehen diese psychischen Probleme von ganz alleine weg.

Risiken für die eigene Familie und das Umfeld

Den gesellschaftlichen Druck der perfekten Eltern spüren wir überall. So sind vielen Eltern eigene psychische Erkrankungen peinlich. Sie versuchen diese zu verstecken, um den Schein der makellosen Familie zu wahren. Kinder haben aber feine Sensoren, wenn es um das Gefühlsleben der Eltern geht. Sie spüren, wenn etwas mit ihnen nicht in Ordnung ist. Einige Kinder betroffener Eltern versuchen später zum Beispiel durch Perfektionismus ihren Eltern alles recht zu machen.

Meine Tipps für betroffene Väter:

  • Erkläre deinen Kindern, was mit dir los ist. Andernfalls können sie das Gefühl bekommen, sie wären die Verursacher deiner Probleme. Mittlerweile gibt es Bücher, die psychische Probleme in eine Geschichte verpacken und kindgerecht erklären.
  • Höre dir alle Fragen deines Kindes an und nimm sie ernst.
  • Verbringt mehr Zeit zusammen, ob durch das abendliche Vorlesen, gemeinsame Kuschelzeit oder ein neues Hobby.
  • Ermögliche einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch, ggf. auch mit anderen. Jugendliche sprechen lieber mit gleichaltrigen Betroffenen über ihre Probleme.
  • Frage regelmäßig, wie es deinem Kind geht. Erzähle etwas von dir. Stärke dadurch das gegenseitige Vertrauen.
  • Informiere alle Personen in der Familie und alle wichtigen Bezugspersonen über die Problematik. Es fällt ihnen dann leichter, mit der Situation umzugehen. Scham ist hier fehl am Platz.
  • Hole dir Unterstützung in der Familie für die Zeit, wenn es dir schlechter geht. Wechsle dich mit deinem Partner oder deiner Partnerin in der Betreuung der Kinder ab und bitte auch Freunde oder Bekannte um Hilfe
  • Und das Wichtigste: Eine Umarmung und ein Lächeln schenken Hoffnung und Vertrauen. Das trifft auf jedes Kind zu.

 

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit netpapa.de sowie mit freundlicher Unterstützung vom BMFSF entstanden.

Über den Autor
Mario Förster ist 1971 in Görlitz geboren, er ist verheiratet und lebt mit seiner Familie, 2 Jungs in der Oberlausitz. Als Herausgeber und Blogger betreibt er mit dem Vätermagazin Netpapa,de eines der meistgelesenen Onlinemagazine für Väter.

 

 

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