Viele Mütter jonglieren täglich zwischen Beruf, Haushalt, Kindererziehung und eigenen Ansprüchen. Dabei bleibt oft kaum Zeit für das eigene Wohlbefinden. Das Müttergenesungswerk (MGW) unterstützt Mütter darin, neue Kraft zu schöpfen. Lisas Erfahrungsbericht zeigt, wie eine Kur in einer der 70 Vorsorge- und Rehakliniken im MGW-Verbund ihr half, wieder zu sich selbst zu finden, Momente der Gelassenheit zu erleben und die Beziehung zu ihren Töchtern zu stärken.
Mein Alltag vor der Kur – ständig am Limit
Ich bin Mutter von zwei Töchtern, damals 11 und 8 Jahre alt. Unser Alltag war oft ein einziges Chaos. Wir alle haben ADHS – meine Kinder wie auch ich – und das macht vieles intensiver, schneller, lauter. Ich arbeite in einer Klinik in einem anspruchsvollen Job und komme abends nach Hause zu zwei energiegeladenen Mädchen und einem Partner, der ebenfalls seine eigenen Herausforderungen hatte. Ich merkte irgendwann, wie ich körperlich und mental immer erschöpfter wurde. Kopfschmerzen, Verspannungen und ständige Müdigkeit waren meine Begleiter. Manchmal fragte ich mich, ob ich meinen Kindern gerecht werde, ob ich „gut genug“ bin, und spürte, dass mir die Kraft fehlte, geduldig und liebevoll zu reagieren. Kleine Konflikte mit den Kindern fühlten sich oft wie unüberwindbare Berge an.
Der Entschluss: Eine Kur für uns
Lange hatte ich gezögert, eine Kur zu beantragen. Dann wurde mir klar: Wir brauchen diese Zeit. Drei Wochen, in denen wir den Alltag hinter uns lassen und bewusst Zeit füreinander, und ich für mich selbst, haben können. Die Beratung bei der AWO half mir sehr, die passende Klinik zu finden, die uns alle berücksichtigt hat. Als die Krankenkasse die Kur genehmigte, war ich erleichtert. Besonders wichtig war für mich, dass meine Kinder mitkommen konnten. Die Vorstellung, sie zurückzulassen, kam für mich nicht infrage. Ich wollte diese Auszeit als Familie erleben – gemeinsam, aber auch mit Raum, um individuelle Bedürfnisse wahrzunehmen.
Als wir in der Klinik ankamen, spürte ich sofort die andere Atmosphäre: keine Hektik, kein ständiger Zeitdruck, keine To-do-Listen, die auf mich warteten. Wir wurden herzlich empfangen, die Kinder fühlten sich sofort wohl. Ich konnte durchatmen und mich ganz auf mich und uns konzentrieren. Die ersten Spaziergänge in der Natur waren wie Balsam für die Seele. Kühle Luft, der Duft von Tannen, das Lachen meiner Kinder, als sie kleine Stöcke wie Zauberstäbe durch die Luft wirbelten – all das ließ den Stress des Alltags von mir abfallen. Wir probierten Nordic Walking aus, und obwohl ich nie sportlich war, merkte ich, wie gut mir die Bewegung tat. Nach den Spaziergängen fühlte ich mich leichter, energievoller und freier.
Begegnungen, die Kraft schenken
Ein besonders wertvoller Teil der Kur war der Austausch mit den anderen Müttern. Wir saßen abends oft zusammen im Gemeinschaftsraum, erzählten von unseren Sorgen und Ängsten, lachten über die kleinen Missgeschicke des Alltags und fühlten uns plötzlich verstanden. Es tat so gut zu merken, dass ich nicht allein war mit meinen Herausforderungen. Auch die psychologische Betreuung half mir enorm. In Gesprächen mit meiner Therapeutin lernte ich, dass es vollkommen in Ordnung ist, Unterstützung anzunehmen und dass ich nicht alles perfekt machen muss. Ich lernte Techniken, um stressige Situationen zu entschärfen, und erkannte, wie wichtig es ist, auf mich selbst zu achten.
Die Kur bot uns auch die Möglichkeit, neue Rituale zu entwickeln. Jeden Morgen frühstückten wir gemeinsam im Speisesaal, danach kleine Spaziergänge oder kreative Angebote für die Kinder, während ich an Entspannungsübungen teilnahm. Abends spielten wir Karten, erzählten Geschichten oder reflektierten gemeinsam den Tag. Ein Highlight war ein Ausflug zu einer kleinen Seilschwebebahn im Harz. Ich sah, wie meine Kinder vor Freude strahlten, und spürte selbst eine unbeschwerte Leichtigkeit, die ich lange nicht mehr gefühlt hatte. Solche Momente haben mir gezeigt, wie wertvoll bewusst erlebte Zeit mit meinen Kindern ist.
Drei Wochen, die alles veränderten
Nach der Kur merkte ich, wie sich meine Gelassenheit im Alltag veränderte. Ich kann jetzt öfter lächeln, auch wenn die Kinder streiten oder etwas schiefgeht. Ich reagiere nicht sofort gestresst, sondern versuche, Ruhe zu bewahren – für mich selbst und für sie. Ich habe gelernt, dass Perfektion nicht notwendig ist und dass Fehler dazugehören. Meine Kinder bemerkten die Veränderung sofort: „Mama, du bist ruhiger“, sagten sie, und es tat gut, diese Worte zu hören. Kleine Pausen einzubauen, auf meine eigenen Bedürfnisse zu achten und bewusst Zeit miteinander zu genießen, hat uns als Familie näher zusammengebracht.
Die drei Wochen in der Kur waren intensiv, erholsam und prägend. Ich habe Wege gefunden, um mich selbst zu stärken und dabei trotzdem für meine Kinder da zu sein. Ich habe gelernt, mir Pausen zu gönnen, mich nicht ständig unter Druck zu setzen und die kleinen Momente zu genießen. Für jede Mutter, die sich überfordert fühlt, ist eine Kur eine wunderbare Gelegenheit, Abstand vom Alltag zu gewinnen, neue Energie zu tanken und die Beziehung zu den Kindern zu vertiefen. Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen konnte – sie hat mir gezeigt, dass Selbstfürsorge eine Stärke, die uns als Mütter und Menschen reicher macht.



