Gefühle vergisst man nicht

Ein Schock für Kati: Diagnose Demenz bei ihrem Opa. Eine bewegende Zeit und der Weg zum eigenen Blog über Senioren und Altenpflege.

Oma und Opa – zwei Menschen, die mein Leben von Beginn an prägten. Während ich in meiner Kindheit mit meiner Mutter und meinem Bruder insgesamt siebenmal umzog, in drei WGs und einmal sogar in einer Kommune wohnte, standen meine Großeltern stets für Beständigkeit.

Eine Doppelhaushälfte am Stadtrand, feste Essenszeiten und ein Wohnwagen an der Ostsee – bei ihnen fühlte ich mich rundum wohl und behütet. Unsere Beziehung war eng, auch dann noch, als ich zu einem Teenager und einer jungen Erwachsenen heranwuchs, und die geordneten Verhältnisse zeitweise nicht mehr so „cool“ fand.

Diagnose Demenz – ein Schock

Als ich auf die Dreißig zuging, wurde bei meinem Opa – damals Ende 70 – eine Demenz diagnostiziert. Der Schock saß tief. Die ersten Anzeichen hatte er noch recht geschickt verborgen, und wenn ich ehrlich bin, wollten wir Angehörigen es auch nicht wahrhaben.

Doch spätestens, als er sein Auto in einer Feuerwehreinfahrt abstellte und vergeblich versuchte, zu Fuß nach Hause zu finden, konnten wir die Augen nicht mehr davor verschließen. Leider war mein Opa auch keiner dieser niedlich-tüddeligen Alten, sondern reagierte immer öfter aggressiv auf die Menschen in seiner Umwelt. „Herausforderndes Verhalten“ nennen das Leute vom Fach, wie ich heute weiß.

Umzug ins Pflegeheim

Es brach meiner Oma das Herz, aber wir sahen keine andere Lösung, als ihn ins Pflegeheim zu geben. Wir entschieden uns für die Einrichtung, die am nächsten an ihrem Zuhause lag. Ein Fehler, wie ich heute weiß. Denn dort war man auf „schwere Fälle“ wie meinen Opa nicht eingestellt.

Sein Zustand verschlimmerte sich, und nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie zog er um in ein anderes Pflegeheim im Stadtzentrum, das einen spezialisierten Demenzbereich hatte. Meine Oma hatte jetzt eine längere Anreise und kam nicht mehr jeden Tag zu Besuch. Auch fuhr sie für einige Wochen auf Kur, um sich von den Strapazen der letzten Monate zu erholen.

Den Opa mit Demenz begleiten

Für mich begann nun eine Zeit, in der ich meinen Opa häufig sah. Ich holte ihn in der Einrichtung ab, fuhr ihn im Rollstuhl durch den Park oder begleitete ihn bei den Mahlzeiten und den Freizeitaktivitäten wie der Musiktherapie. Gespräche waren da schon kaum mehr möglich.

Doch ich hatte immer das Gefühl, dass er sich allein über meine Gegenwart freute. Als ob er in der Berührung meiner Hand, dem Klang meiner Stimme oder meinem Lächeln etwas Vertrautes erkannte. Und so tauschten wir unsere Rollen von früher: Ich sorgte nun in seinem Leben für ein Stück Beständigkeit und Wohlbefinden.

Berührende Begegnungen im Demenzbereich

Mein Opa starb im Jahr 2010 an einer Infektion. Die Erfahrung mit ihm und den anderen Bewohnern des Demenzbereichs ließen mich danach nicht mehr los. So niederschmetternd und traurig die schrittweise Veränderung meines Opas für mich war, so habe ich aus den Begegnungen im Pflegeheim auch viel Positives gezogen.

Ich kann es kaum beschreiben, aber es schien, als ob die Menschen mit Demenz auf einer anderen Ebene mit mir kommuniziert haben. Anstelle des Verstands rückten Gefühle und Beziehungen – das hat mich tief berührt.

Blog über Senioren und Altenpflege

Und auf einmal regte sich in mir, die niemals im sozialen Bereich arbeiten wollte, der Wunsch nach einer beruflichen Veränderung. Neben meinem Job als Redakteurin in einer Kommunikationsagentur absolvierte ich den pflegewissenschaftlichen Studiengang „Versorgung von Menschen mit Demenz“ an der Universität Witten Herdecke.

Den Master in der Tasche, entwickelte ich meinen persönlichen Blog www.katicares.com, auf dem ich über Senioren und Altenpflege schreibe. Daneben arbeite ich heute als freie Autorin für verschiedene Pflegemedien und in der Kommunikationsabteilung eines gemeinnützigen Anbieters von Assistenz für Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.
Wenn mein Opa das noch erlebt hätte – ich glaube, er wäre stolz auf sein „Katinchen“.

Dieser Beitrag ist in Zusammenarbeit mit KATI CARES entstanden und ist gefördert vom  BMFSFJ.

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