
Als Fabian mit seinen beiden Töchtern zur Kur fuhr, war er seit dreieinhalb Jahren alleinerziehender Vater. Vollzeitjob, Pendelstrecke, keine Familie vor Ort – sein Alltag ist geprägt von Verantwortung und permanenter Doppelbelastung. In seinem persönlichen Erfahrungsbericht erzählt er, warum er sich für eine Vater-Kind-Kur entschieden hat, wie er die Gemeinschaft in der Klinik erlebt hat und was sich seitdem für ihn und seine Familie verändert hat.
Ich bin mit meinen beiden Töchtern, 4 und 6 Jahre alt, zur Kur in die Rehaklinik Zorge gefahren. Seit rund 3,5 Jahren bin ich alleinerziehender Vater und arbeite aus finanziellen Gründen in Vollzeit. Zu meiner Arbeitsstätte in Berlin pendele ich ca. eine Stunde pro Strecke. Entsprechend ist mein Alltag stets von einer großen Doppelbelastung geprägt, da auch die Familie nicht vor Ort ist.
Zwischen Erschöpfung und Verantwortung
Die Vater-Kind-Kur habe ich beantragt, weil ich zum einen bereits im August 2023 eine Vater-Kind-Kur gemacht und das Gefühl gehabt hatte, dass diese meinen Kindern und mir sehr gutgetan hat. Zum anderen schlaucht die Doppelbelastung und das mehr oder minder auf sich alleingestellt sein bei der Care-Arbeit enorm und führt neben einer anhaltenden Erschöpfung auch dazu, dass Zeit und Energie fehlen, beispielsweise einen Sportkurs zu besuchen oder etwas für sich zu tun. Die Kur brachte hier die ersehnte Entlastung für vier Wochen.
Ich hätte, als meine Kinder auf die Welt kamen, nie gedacht, dass ich nach kurzer Zeit alleinerziehender Vater sein würde. Durch die akute Trennung 2022 waren meine Kinder und ich sehr stark emotional belastet. Auch mussten wir mit der neuen Situation erst einmal zurechtkommen. Dies war der Auslöser für die erste Kur. Bei der zweiten war es eher der alltägliche Stress.
Bei der Beantragung der Kur habe ich Unterstützung von der DRK-Beratungsstelle im Verbund des Müttergenesungswerks erhalten. Diese Beratung ist sehr hilfreich, auch weil die Beratungsstellen einen guten Überblick darüber haben, welche Klinik passend ist und auch nach freien Plätzen Ausschau halten. Ohne die Beratungsstelle müsste man sich selbst auf die müheselige Suche machen. Es gibt einfach zu wenig Kapazitäten in den Kliniken und zu lange Wartezeiten. Oftmals dauert es aber auch so lange, wenn man sich erst an einen Arzt/eine Ärztin wendet, wenn man bereits akut eine Kur bräuchte.
Halt finden in der Gemeinschaft
Das Schöne an der Kur in Zorge war, dass es sich angefühlt hat wie eine große Gemeinschaft. Wir haben Weihnachten und Silvester gemeinsam gefeiert und standen füreinander ein. Ich erinnere mich an einen großen Wintereinbruch, bei dem sich am Ende alle Patienten gegenseitig geholfen haben, mobil zu bleiben. Auch das Team war sehr kompetent. Es war schon allein schön, mehr Zeit mit den Kindern zu haben und auch für sich selbst etwas tun zu können.
Ich habe unglaublich bewegende Lebensgeschichten gehört, die mich emotional mitgenommen haben. An Weihnachten kam eine Gruppe Trauernder, die Heiligabend nicht mit ihren Kindern allein verbringen mussten, sondern den Halt der Gemeinschaft in der Klinik erfahren haben.
Besonders bereichernd war es auch, andere alleinerziehende Väter kennenzulernen – einer hatte vier Kinder, das kleinste Kind war ein Baby. Ich habe diesen Vater sehr bewundert für die Ruhe, die er trotz der schwierigen Situation ausgestrahlt hat. Der Austausch mit anderen Vätern und zu erfahren, dass andere in ähnlichen Situationen sind, hilft enorm, sowie zu wissen, dass da jemand ist, den ich ansprechen kann, wenn ich mal Unterstützung brauche. Gleichzeitig hilft man auch anderen gerne. Es war eine enorm gute Gesellschaft.
Kleine Pausen, große Wirkung
Durch die Kur habe ich einen anderen Blick auf die Dinge bekommen und mir vorgenommen, gelassener zu werden und meine aktuelle Lebenssituation so zu akzeptieren, wie sie gerade ist. Auch mein Blick auf mich selbst hat sich verändert. Ich suche mir nun gezielt Pausen und Entspannungszeiten, auch wenn diese weiterhin sehr rar gesät sind.
Ich habe mit meiner Hausärztin über den Kurbericht gesprochen und wir haben uns auf die Fortführung einiger Maßnahmen, die in der Kur angestoßen worden sind, verständigt, wie zum Beispiel Physiotherapie oder auch Bewegungssport. Ich denke, dass es sinnvoll ist, auch außerhalb der Kur etwas zu tun. In drei bis vier Wochen kann viel angestoßen werden, aber man muss dranbleiben. Das ist nur manchmal im Alltag extrem schwer. Es ist gut, wenn dann jemand draufschaut.
In der Klinik gab es viel Sport und ich versuche, Bewegung nun auch in den Alltag einzubauen. In der psychologischen Therapie gab es den Tipp, Sanduhren anzuschaffen. Diese gibt es nun bei uns. Wenn die 5-Minuten-Sanduhr läuft, wissen meine Kinder seither: Papa möchte jetzt eine kurze Pause und trinkt erstmal seinen Tee, danach ist er wieder ganz für mich da. Gelassener zu werden, war bei mir persönlich ein großes Ziel während der Kur. Heute nutze ich Meditationsapps und versuche mich daran.
Eine Kur mit Kindern ist für die gesamte Familie eine enorm hilfreiche und gewinnbringende Zeit und vor allem eine Auszeit aus dem immer wiederkehrenden Hamsterrad des Alltags. Daher kann ich jedem Elternteil empfehlen, sich regelmäßig wiederkehrend für eine Kur anzumelden.